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Und doch ist es der gleiche Mond

Bei uns war gestern die Mondfinsternis groß angekündigt, roter Feuerball, mit genauen Zeitangaben in allen Zeitungen. Und so hab auch ich mich mit zwei Freunden aufgemacht, um ihn mir anzuschauen. Und da saßen wir am Fuße der Bavaria in München vor der so weiten Fläche der Theresienwiese und starrten in den Himmel. Voller Erwartungen saß ich da, Erwartungen, die nicht so sehr an den Mond geknüpft waren, vielmehr an die Stimmung, die ich so oft in Little Smile erlebt hatte. Doch alles war ganz anders. Viele Menschen waren gekommen, alle wollten den Mond sehen. Da wurde getrunken, gegessen, gelacht, geschrien, geknutscht, aber das Eigentliche daran, nämlich die Stille, die zu so etwas gehört, die wurde vergessen.
So habe ich mich gedanklich einfach wegbegeben, in den Himmel mit vielleicht 3-4 Sternen geschaut und mir vorgestellt, wie das so war als ich mit den Lucky-House Mädchen auf dem Weg zwischen Green-Star und Main-Road saß und wir uns einen gigantischen Sternenhimmel angeschaut haben.
Wie still wurden wir da. Eng aneinandergerückt schauten wir in den Himmel und viele Fragen über das hier und dort, über den Himmel, über die Sterne kamen auf. Tiefe Fragen, schwierige Fragen. Wir saßen über eine Stunde. Ich erinnere mich an Dammika, die besonders viel fragte, aber auch große Angst vor der Dunkelheit hatte und ganz eng an mir saß, an Durga, die so beeindruckt war, an Anita, die einfach schweigend dasaß, an Pavithra, die immer etwas Neues entdeckte am Himmel, das sie beeindruckte, an Clera, die mir auch plötzlich Löcher in den Bauch fragte mit intelligenten Fragen, obwohl ich ihr solche gar nicht zugetraut hätte und an Warunia, die alles initiiert hatte und jetzt, trotz ihrer quirligen Art, ganz still war. Dieser Moment, diese Zeit war etwas so Einmaliges für mich und genau dahin habe ich mich in meinen Gedanken begeben. Natürlich wurde ich ständig gestört, denn auch meine Freunde wollten es den anderen Anwesenden gleichtun. Nur in der Zeit, in der sie über ihr I-Phone bei Facebook posteten wo wir uns gerade befinden, da hatte ich Ruhe. Wie traurig eigentlich, dass so viele in Deutschland vergessen haben, wie man so etwas genießen kann. Alle waren enttäuscht weil der Mond nicht rauskam, er hatte sich wohl versteckt vor all den Gaffern, denen er als Attraktion dienen sollte; hätte ich auch so gemacht. Gegen Mitternacht klar, dass da nichts mehr kommen wird, denn wenn der Mond jetzt noch raus käme, dann einfach normal weil der Feuerball, laut Zeitung, schon vorbei gewesen wäre. Also sind die Meisten gegangen, oder haben weitergemacht mit dem, was sie eh schon machten: feiern.
Auch wir sind gegangen und ich bin an der dunklen Isar entlang mit dem Radl nach Hause gefahren. Und da bemerkte ich auf einmal eine Wolke, die ganz besonders leuchtete und wusste: Hinter dieser Wolke ist er, der auf den alle gewartet haben. Ich habe angehalten, mich in die Dunkelheit der Isar gestellt und geschaut.
Hier erinnerte ich mich, wie ich mit den 5 großen aus dem Moonlight House – damals Adhisthamata, Ranjani, Nadeeka, Krishna und Prasahnthi - an einem Vollmondabend draußen stand auf der Straße vor dem Moonlight-House. Wir hatten einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Ich erinnerte mich, wie begeistert wir mit Hilfe eines Schulbuches Sternbilder gesucht haben, wie sich Ranjani gar nicht satt sehen konnte, wie Nadeeka aufblühte, die doch normal so uninteressiert scheint, wie fix sich Adhisthamata immer wieder am Himmel orientierte und Neues fand, wie wir uns alle nicht satt sehen konnten. Und dann die Idee von Nadeeka „lasst uns doch warten, bis der Mond kommt“. Wie wir versuchten nachzudenken aus welcher Richtung er aufgehen würde. Und das ohne I-Phone mit Kompass! Wie wir gewartet haben, dass er hinter den Bäumen vorkommt und ich schon unruhig wurde, weils so spät wurde und ich nicht wollte, dass die Mädchen zu lange wach sind. Und plötzlich sahen wir ein Leuchten hinter den Bäumen. Ich wollte es zuerst nicht glauben, aber alle 5 bestätigten mir, dass das sicherlich der Mond sei. Und plötzlich steigt er auf, nur ein kleines Stück sehen wir zuerst, die Mädels quitschen vor Freude, wir schauen hinauf, werden ganz still. Freuen uns über jeden Millimeter, den er mehr von sich preisgibt. Gehen hinters Moonlight-House, um ihn noch besser sehen zu können. Sitzen da auf der Veranda und schauen einfach nur. Ranjani, die sich vor Freude gar nicht halten konnte zieht ständig an meinem Arm und auch Prashanthi freut sich, wo sie vorher eher zurückhaltend war. Da saßen wir noch eine Weile und bewundern ihn den so schönen Vollmond. Ein wundervoller Abend.
Und nachdem ich an der majestätischen Isar diese Gedanken zu Ende gedacht habe passierte es. Langsam kam der Mond hinter der Wolke hervor, stückchenweise. Und wenn auch nicht annähernd so schön, wie in Little Smile, ich freute mich wie damals. Konnte fast spüren wie mich Ranjani am Arm packt, hören wie die Mädels quitschen, ich war einfach dort. Und so war der Abend doch noch so, wie ich ihn kannte. Lange stand ich noch an der Isar und habe den Mond angeschaut, obwohl er sich ständig wieder versteckt hat. Aber ich spürte mal wieder diese Ruhe, diese Tiefe, wie ich sie in Little Smile so oft spürte und hier so selten finde.
Jetzt kullern mir zwei Tränen aus den Augen, weil ich wieder einmal merke, dass ich dort sein will und nicht hier und dass ich euch alle so sehr vermisse. Ich vergesse euch keine Minute, auch nicht im so schnellen, belebten, deutschen Alltag und versuche, wo immer möglich zu holen, was ich bei euch hatte und hier fast nie finde. Und manchmal gelingt es mir zum Glück auch ein bisschen.