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Phase 47: April bis Juni 2011

200 Kilometer vom Kinderdorf Maha Gedara entfernt wächst an der Ostküste Sri Lankas die Internationale Schule, allen Schwierigkeiten zum Trotz und davon gab und gibt es nicht wenige. So ließ der Bauunternehmer Mitte des Jahres 2010 alles stehen und liegen, nachdem er auf entscheidende Mängel hingewiesen worden war. Nach der Verhaftung von Michael Kreitmeir bekamen dann die Bauarbeiter Angst und ließen sich erst wieder sehen, als Kreitmeir persönlich die Bauleitung übernahm. Seitdem geht es, trotz der ständigen Regenfälle, zügig voran. Am Geburtstag seines Vaters, dem die Bildung besonders von Erwachsenen immer ein Herzensanliegen war, will Michael Kreitmeir die Schule eröffnen. Hermann-Josef Kreitmeir feiert am 8. August seinen 85. Geburtstag.
Es ist ein weiter Weg von Koslanda nach Kalmunai, den Michael Kreitmeir oft mehrmals die Woche zurücklegen muss. Doch was er einmal versprochen hat, das hält der Gründer von Little Smile auch, egal wie viele Schwierigkeiten sich ihm in den Weg stellen. Und so empfangen die beiden verantwortlichen Schwestern den Deutschen nicht nur mit einem Lächeln. Ohne Mittagessen darf sich Kreitmeir nach getaner Arbeit auf der Baustelle nicht wieder auf den langen Heimweg machen.
Eigentlich wollte Michael Kreitmeir ja Verantwortung abgeben. Stattdessen ist sie weiter gewachsen, weil es einfach zu wenig Menschen gibt, die sich fachkundig und mit ganzem Herzen für Kinder in Not einsetzen. Und so eröffnet Little Smile zusammen mit einem lokalen Verein ein Zentrum für Kinder in Monaragala, einer der ärmsten Regionen des Landes. Schon von weitem erkennen die Kinder dort den „sound“ von Kreitmeirs BMW, kein Wunder, ist es doch das einzige Motorrad dieser Art in Sri Lanka.
Sie haben nicht nur das Geburtsjahr gemeinsam. Beide lassen sie sich nicht unterkriegen und funktionieren auch unter schwierigen Bedingungen. April ist Pflanzzeit, begünstigt durch den vielen Regen. Und da ist jede Hilfe in der organischen Farm in Dikkapitia gefragt, besonders wenn man wie Michael Kreitmeir auch mit dem alten Traktor zurecht kommt.
Scheiden tut weh, besonders für die, die zurückbleiben. Aber Kinder werden junge Erwachsene und der Tag kommt, an dem man sie ziehen lassen muss. Draußen, jenseits des Tores freilich, beginnt eine andere Welt, die wenig Rücksicht kennt, in der oft nur das Recht des Stärkeren zählt. Und darum begleiten nicht nur viele Ratschläge und Sorgen diejenigen, die das Kinderdorf verlassen. Es ist die Hoffnung, dass sie in Little Smile die Stärke und das Selbstvertrauen erworben haben, das sie nun für ihr Leben brauchen werden, die Michael Kreitmeir tröstet, wenn der Tag des Abschieds kommt.
Sie sind nicht nur geografisch weit weg von daheim. Wer sich wirklich auf Little Smile einlässt, der lebt mit den Kindern und den Betreuern in einer Welt, die sich grundlegend von dem unterscheidet, was junge Freiwillige wie Mara und Anka in Deutschland leben. Probleme erkennen, an Schwierigkeiten wachsen, viel Geben und wenig zurück erwarten, sich in dieser anderen Welt selbst besser verstehen lernen und neue Standpunkte und Perspektiven entdecken. Wer sich hier ohne Wenn und Aber einbringt, wird sich auch selbst neu entdecken.
In diesem Jahr war es erst am frühen Nachmittag des 14. April so weit: Das Neue Jahr, nach buddhistischer Zeitrechnung das Jahr 2555, begann mit dem Entzünden des Herdfeuers. Zum ersten Mal fand die Zeremonie nicht im Kinderdorf statt, sondern im benachbarten Bubenhaus auf Hill Top, wo die verantwortliche Betreuerin Bawani Kinder und Matron aus Mahagedara herzlich willkommen hieß, um als eine große Little Smile Familie das Feuer zu entzünden.
Traditionen werden in Little Smile mehr als nur lebendig gehalten, sie werden den Kindern und den Betreuerinnen erklärt und gelebt als Teil einer reichen Kultur. Und so wurden am Beginn des Neuen Jahres alle Bewohner des Kinderdorfes vom „Familienoberhaupt“ mit einem Öl aus ganz besonderen Kräutern gesalbt.
Viel mehr als der erste Platz zählt der Mut sich auf eine Herausforderung einzulassen und der Sieg über die eigene Verzagtheit und Müdigkeit. Pria hat als Kind in Jaffna Elend und Gewalt des Krieges erlitten, kam als Teenager hier ins Kinderdorf, konnte kein einziges Wort der singhalesischen Sprache, war verängstigt und unsicher. Beim Neujahrsfest im Kinderdorf belegte sie im Rennen der Auszubildenden zwar den letzten Platz, aber sie gab nicht auf und kam durchs Ziel, wo sie begeistert von unserer Schäferhunddame Rocky begrüßt wurde.
Einmal im Monat treffen sich alle Betreuerinnen und Auszubildenden an einem besonderen Ort und spannen für gerade mal zwei Stunden ein wenig aus, genießen es für diese kurzen Momente einfach nur zusammen zu essen, zu lachen und zu wandern. Der ehemalige Schuldirektor aus Buttala, der seit kurzem für die Bildung der Kinder, aber auch die Weiterbildung der Betreuerinnen zuständig ist, erlebt so ein Treffen zum ersten Mal und ist begeistert vom Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt. Wen wundert’s, fast alle der Betreuerinnen kamen vor vielen Jahren als hilfesuchende Kinder, Little Smile ist weit mehr als ein Arbeitsplatz, ist ihr Zuhause.
In diesem Jahr soll auch eines der größten Bauprojekte der Little Smile Association, das Begegnungs- und Friedenszentrum bei Galle endlich fertig werden. Hier wurde immer in Etappen gebaut, weil wirklich Alles, das Wissen, die Arbeiter, die Bauleitung und die Kontrolle aus dem fernen Bergen kommen muss. Anfang April sind fast alle vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen, liegen riesige Balken und geschnitzte Säulen, zahllose Latten und Hölzer bereit und so kann mit der Montage eines der größten traditionellen Holzdächer Sri Lankas für die monumentale Halle, begonnen werden.