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Phase 61: Oktober bis Dezember 2014

Sie haben keine Schule, keinen Kindergarten, keine Laden, keinen Ort, wo man sich treffen kann. In vielen ländlichen Regionen Sri Lankas leben die Menschen weit verstreut, der Weg in das nächste Dorf ist weit. Mit dem, was man in der Landwirtschaft verdient, kommt man gerade so über die Runden. Wenn die Kinder aber lernen sollen, sind die Wege in die Schule oft zu weit. Auch hier leistet Little Smile Hilfe zur Selbsthilfe. Während wir die Planung übernehmen und das Material stellen, kommt von den Menschen in den Wäldern rund um Gampaha die Arbeitsleistung. Gemeinsam soll so ein Gemeindezentrum entstehen, in dem später auch unterrichtet wird.
Es ist ein Wettlauf mit der Regenzeit. Die Pfefferernte 2014 muss getrocknet, gereinigt, sortiert und verpackt werden. Unsere Betreuerin Bawani braucht die älteren Mädchen nicht lange überreden. Am ersten Samstag im Oktober packen alle mit an und helfen beim Reinigen und Sortieren des Pfeffers. Danach gibt es zur Belohnung ein gemeinsames Picknick.
Am 5. Oktober, dem 7. Todestag von Maria Theresia Kreitmeir, Mutter des Gründers und Oma für alle Kids hier, gedenken wir dieser großartigen Frau ohne deren Liebe Little Smile nie Wirklichkeit geworden wäre. „Nur wer selbst Liebe erfährt kann eines Tages auch Liebe schenken“, so ihr Credo. Und was sie ihren eigenen Kindern damals im bayerischen Eichstätt mitgegeben hat, trägt heute Früchte, etwa durch ihr drittes Kind Michael in Sri Lanka. 
Mitte des Monats ging es so richtig los mit dem Monsunregen und damit begann auch die Zeit der Erkältungen. Und mit dem Fieber kommen oft auch die Tränen, denn viele der Kinder in Little Smile haben eine traurige Geschichte, bekamen meist Hiebe statt Liebe. Hier ist das ganz anders und auch wenn Michael Kreitmeir oft nicht weiß, wo er die Zeit hernehmen soll für all die Aufgaben und Pflichten, Zeit für Kinder, die Trost brauchen, wie hier Monisha, findet er immer.
Irgendwann in dieser Regenzeit erwischt es jeden, man entkommt der Nässe und den vielen Viren einfach nicht. Und gerade an einem Ort, wo viele Menschen eng zusammenleben wie in unserem Kinderdorf, wandert der Husten, das Fieber von Einem zum Nächsten. Ganze Häuser liegen da auf einmal flach. Die 5jährige Punzella hat sich dick eingepackt, es ist auch schrecklich kalt heute, gerade mal 18 Grad zeigt das Thermometer.
Wo einst ein großer Hindutempel stand, liegen nur noch die Trümmer einer Götterstatue im braunen Schlamm. Raubbau an der Natur, die Vernachlässigung der Abwasserleitungen und Rinnen sowie starke Regenfälle brachten die Erde in Nachbarschaft unseres Kinderdorfes zum Rutschen. Innerhalb weniger Minuten versanken 60 Häuser unter bis zu 10 Meter dickem Schlamm, etwa 50 Menschen starben. Michael Kreitmeir ist fassungslos, dass außer dieser Statue nichts geblieben ist von einem Ort mit vielen Häusern, Bäumen, Straßen, einem Tempel und Gemeindezentrum.
Hunderte von Menschen werden zunächst vermisst, Verwirrung und Angst kennzeichnet die erste Nacht der Überlebenden, die beispielsweise in der tamilischen Schule Zuflucht gesucht haben. Niemand weiß, wie viele Menschen dem Erdrutsch zum Opfer gefallen sind, bis zu 600 sind möglich. Hoffnung ist da alles, was in dieser Nacht bleibt und so ist es gut, wenn es Menschen gibt, die berichten, dass es noch andere Lager gibt, dass Hoffnung besteht, dass es ein Morgen geben wird.
Das Schlimmste ist, so ein Lastwagenfahrer, der durch die Katastrophe seine gesamte Familie verloren hat, das Schlimmste ist, dass sie wie ausgelöscht sind, nichts da ist, wovon man sich wenigstens verabschieden könnte. Schon Anfang November ist klar, dass es unter dem Schlamm keine Überlebenschance gab, die Suche wird eingestellt. Abschied nehmen von vielen Menschen, die wir gekannt haben, das ist auch für uns hier im Kinderdorf schwer.
Das Leben geht weiter und so müssen wir überlegen, wie wir den tamilischen Kindern in Little Smile Unterricht geben können, jetzt wo ihre Schule als Flüchtlingslager dient. Mit fünf Lehrkräften und unserer Volontärin Miriam bastelte Annkathrin Blank innerhalb von zwei Tagen einen Notlehrplan und schon bald zeigte sich, dass sie aus der Not sogar noch eine Tugend gemacht hat , denn Lehrern wie Schülern machte der Unterricht im Kinderdorf richtig Freude, bester Garant für Erfolg.
Für die Zwillinge Sudu und Sadu begann im Kindergarten von Little Smile Anfang November auch der „Un-Ernst“ des Lebens. Zwar sind die Schwestern erst 2 Jahre und 5 Monate jung, aber sie wollen da einfach hin, also durften sie auch. Im Wisdomhaus, in dem sie leben, wird nach dem ersten Tag im Kindergarten entsprechend gefeiert.
Nicht nur die Opfer des gewaltigen Erdrutsches leiden unter den ungewöhnlich starken Regenfällen. Viele Menschen leben hier in kleinen Hütten, die den Wassermassen nicht standhalten können. Betroffen sind besonders Witwen und verlassene Frauen. Für sie bleiben, ohne Hilfe, sogar einfache Bleche, um das Dach notdürftig abzudichten, ein unerreichbarer Luxus. Und in unserer Region gibt es nur eine Adresse, wo man Hilfe bekommen kann.
Das Bubenhaus auf Hill Top bekam Besuch und was für einen. Ein Franziskanerbruder aus den Philippinen, der auf den Namen Angel, also Engel hört, lebte für einige Wochen zusammen mit unseren Jungs und lernte von Bawani viel mehr als nur das Kochen tamilischer Gerichte. Am Ende gefiel es ihm so gut da oben auf dem Berg, er wäre am liebsten noch viel länger geblieben.
Zur Eröffnung am 5. Oktober 2011 hat Hermann Josef Kreitmeir, Vater des Gründers von Little Smile, vor der nach seiner Frau benannten Schule in Kalmunai einen kleinen Mangobaum gepflanzt. Beim Schulabschlussfest 2014, Ende November, konnte Schwester Lucrece bereits die ersten Früchte dieses gar nicht mehr so kleinen Baumes ernten. Die Schülerinnen und Schüler zeigten beim Schulfest jedoch, dass das Maria Theresia College noch viel mehr Früchte trägt.
Nach einem schweren, ja traurigen November, den letzten Monat des Jahres 2014 beginnen, indem man ein Zeichen der Hoffnung setzt. Und so hatte das Entzünden der ersten Kerze am Adventskranz in der Kapelle des Kinderdorfes auch eine tiefe symbolische Bedeutung.
Es war ein unerwarteter nächtlicher Besuch. Polizisten brachten auf Anordnung des Gerichts vier Kinder, die kurz vorher Zeuge einer Gewalttat geworden waren. Wie so oft ist unser Kinderdorf der einzige Ort in der UVA Provinz, der auch vier Geschwistern gleichzeitig und kurzfristig Schutz und Heimat geben kann und wird.
Am 11. Dezember, dem 87. Geburtstag seiner Mutter, dem 8. nach ihrem Tod, legte Michael Kreitmeir den Grundstein für ein weiteres Schulgebäude im Maria Theresia Collage. Die Internationale Schule in Kalmunai ist in den vier Jahren ihres Bestehens so gewachsen, dass neue Klassenzimmer dringend notwendig geworden sind. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem unermüdlichen Engagement der Schulleiterin Schwester Lucrece (im Bild rechts).
Ob sie auch noch lachen werden, wenn in drei Monaten die Ergebnisse kommen? Für sieben Mädchen und vier Jungs aus Little Smile schlug im Dezember die Stunde der Wahrheit, sie mussten sich den Prüfungen des sogenannten O Levels stellen. Und wie man sieht waren sie guter Dinge. Der jüngste und älteste „Bub“ im Kinderdorf drückten auch ganz fest die Daumen.
Kurz vor Weihnachten verließ Miriam das Kinderdorf (hier ihr Bericht). Drei Monate lang hatte sie mit und auch für die 12 bis 14jährigen Kids im Lucky Haus gelebt. Am Ende fiel ihr der Abschied sehr schwer, obwohl sie sich auch auf das Weihnachtsfest mit ihrer Familie in Bayern freute. Und weil Tränen auch nicht weiterhelfen, lieber noch einmal gemeinsam lachen.
Alle Kinder auf diesem Bild erleben zum ersten Mal das Weihnachtsfest und werden zum ersten Mal beschenkt. Auch Senuri, der kleine Nikolaus, ist erst seit knapp drei Wochen im Kinderdorf. Hier bekommt sie die Chance, dass die Wunden, die man ihr draußen zugefügt hat, langsam heilen können.
Weihnachten im Kinderdorf, das ist immer etwas ganz besonderes. 2014 aber machte Dauerregen und Stromausfall das Feiern etwas schwierig, im sehr weitläufigen Kinderdorf. So musste die nächtliche Andacht in der Kapelle auf den 1. Weihnachtstag verschoben werden.
Auch wenn vor 10 Jahren das Kinderdorf in den Bergen von der Jahrtausendwelle verschont wurde, der Tsunami hat Little Smile verändert. Unglaubliches wurde in den 10 Jahren geleistet, aber genau das hat auch viel Neid und Missgunst hervorgerufen. Genau 10 Jahre nach der ungeheuren Naturkatastrophe versammelten sich die Kinder im Mainhaus. Leise, nachdenkliche Töne, Gebete und Gedenken für so viele Menschen, die damals starben, aber auch für die Opfer des Erdrutsches von vor zwei Monaten.
Am Ende des Jahres kommen viele sehr unterschiedliche Gruppen ins Kinderdorf, um ihrem Lokuthaththa zu danken und ein gutes Neues Jahr zu wünschen. Gemeinsam haben sie alle, dass sie Michael Kreitmeir und Little Smile viel verdanken. Und auch die Studenten unserer Ayurvedaschule in Buttala sagten Danke dafür, dass sie lernen dürfen, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen.