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Phase 73

Oktober bis Dezember 2017

Am 5. Oktober, dem 10jährigen Todestag seiner geliebten Frau Maria wurde Hermann-Josef Kreitmeir, Vater des Gründers von Little Smile, im bayerischen Eichstätt zur letzten Ruhe gebettet. Am anderen Ende der Welt gedachten im Bergurwald von Sri Lanka Kinder und Betreuerinnen im gemeinsamen Gebet des Vaters ihres Lokuthathas (großen Vaters).
Bawani wird im Oktober zur Oma und die ehemalige Lehrerin Schwester Lucrece kommt aus Kalmunai, um der jungen Mutter Dhiviya für den neuen Lebensabschnitt alles Gute zu wünschen. Dhiviya reiht sich damit in die immer länger werdende Liste der ehemaligen Little Smile Kinder, die nun selbst zu Mutter oder Vater werden, kein Wunder immerhin ist es fast 20 Jahre her, dass die ersten Kinder in Mahagedara Zuflucht und ein Zuhause gefunden haben.
Nur mit viel Verständnis und noch mehr Geduld kann man langfristig erfolgreich sein in einem Land, in dem man vor Problemen gerne die Augen verschließt. Auch der Orden der Franziskaner bekommt von Michael Kreitmeir Ende Oktober eine zweite Chance. Little Smile stellt dem Orden noch einmal „Dome-Land“ als „soziale Außenstation“ zur Verfügung. Die kleine aber feine Teeplantage war schon einmal Zuhause der Franziskaner, die sie dann aber vor drei Jahren aufgeben mussten.
Anfang November begann in Buttala die Ernte der Orangen und Zitronen. Nachdem wilde Elefanten vor vier Jahren unsere Bananen- und Kokosnussplantagen zerstört hatten, kamen wir auf die Idee, dort lieber Orangen und Zitronen zu pflanzen. Viel Arbeit und ein Elektrozaun gegen die Elefanten werden nun mir einer reichen Ernte belohnt über die sich unsere Monisha besonders freut, liebt sie doch Orangen.
„Das Land der schlafenden Bäume“, nennen unsere Kinder das Naturschutzgebiet von Little Smile. Während „draußen“ das Kommen und Vergehen in der Natur nur noch selten miterlebt werden kann, weil Bäume gefällt werden, sobald ihr Holz Gewinn verspricht, gilt für Motorsägen in diesem Rückzugsgebiet der Natur: Betreten verboten!  Und so dauert es bei einigen Baumriesen dort viele Jahre, bis sie erschöpft niedersinken, andere werden durch mächtige Regenfälle entwurzelt. Überall in „Little Smile for Nature“ ist spürbar: Jedes Ende ist ein neuer Anfang, denn wo ein Baumgigant Platz macht schießen zahlreiche junge Bäume der Sonne entgegen.  
Zwölf Jahre ist es her, dass Piumi das Kinderdorf verließ. Ende November besucht sie mit ihren zwei Kindern Little Smile. Für Michael Kreitmeir sind es die „Enkelkinder“ 111 und 112, die ihn in Mahagedara „besuchen“. Beim 500sten, so verspricht er, gibt es ein großes Fest.
14 lange Jahre hatten Sashikala und Anoma keine Ahnung wer ihre Eltern waren, wo sie herkamen, keine verwandte Seele außerhalb von Little Smile. Anfang Dezember tauchte völlig unerwartet eine Tante in Mahagedara auf. Endlich wurden die beiden Schwester viele ihrer Fragen los: Wer sind meine Eltern? Warum wurden wir verlassen? Warum haben sie sich nie gemeldet? Nach dem Motto: Besser spät als nie, überwog die Freude über die „geschenkte Tante“ die Enttäuschung über das lange Schweigen.
Mit romantischer Beleuchtung kennen wir uns im Kinderdorf bestens aus, schließlich macht Übung den Meister. Gerade in der späten Regenzeit im Dezember fällt häufig der Strom aus, manchmal tagelang. Und so gehören die Kerzen einfach dazu, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Bereits ab Mitte November wird für Weihnachten eingekauft und zwar immer unter der Leitung von Anka in kleinen Gruppen von maximal zehn Kindern. Weil der Anka aber ganz andere Dinge gefallen als den Kindern und weil Geschenke ja nicht nur praktisch und sinnvoll sein sollen, dürfen die Kinder einen kleineren Teil ihres Weihnachtsgeldes nach ihrem Geschmack ausgeben.
Der Weihnachtsbaum in Little Smile, kein Problem. Ein ganzer Pinienwald auf Hill Top gleich neben dem Bubenheim, macht die Auswahl schwer. Und so bekommt jedes Kinderhaus seinen eigenen Baum und da wird mit der Größe nicht gegeizt, also legt sich die 11jährige Udhara mächtig ins Zeug und schleppt den größten Weihnachtsbaum ins Honesthaus.
Auch in der kleinen Bischofsstadt Eichstätt im Altmühltal, da wo der Little Smile e.V. zu Hause ist, gab es auf dem dortigen Weihnachtsmarkt eine kleine tropische Oase mit Zimt, Nelken, Pfeffer und anderen wohlriechenden und schmeckenden Gewürzen aus dem Kinderdorf. Drei Wochenenden lang trotzten die Vereinsmitglieder den eisigen Temperaturen und zeigten so ihre Verbundenheit mit der Kinderhilfsorganisation im fernen Sri Lanka.
„Ihr Kinderlein kommet“. Wenn dieses Lied im Bergurwald von Sri Lanka erklingt dann klingt das nicht nur in den Ohren, sondern auch in den Herzen. Weihnachten wird an diesem ganz besonderen Ort für Kinder in seinem wunderbaren Geheimnis spürbar, weil im Kinderdorf immer Platz war für Kinder in Not und immer Platz sein wird.
Weihnachten da zu feiern, wo gut hundert Kinder mehr als nur eine Herberge gefunden haben. Das Fest der Geburt Jesu im Kinderdorf ist Jahr für Jahr etwas ganz besonders. Und 2017 war es auch noch besonders bunt, denn als große Überraschung gab es für jedes Kind und jede Betreuerin einen Teddy und dabei ist das groß durchaus auch wörtlich zu nehmen.
Und weil auch am Heiligen Abend irgendwann die Lichter ausgehen und es Zeit wird endlich ins Bett zu gehen, gab es noch einen letzten Wunsch mit schlafschweren Augen: Darf ich meinen neuen besten Freund mitnehmen? Wer könnte da Nein sagen, zumal wahre Freundschaft ja immer Platz findet, selbst in der kleinsten Hütte bzw. kleinsten Bett.
Am ersten Weihnachtstag schlägt dann auch für den Lokuthaththa die Stunde der Bescherung. Und was gibt es? Richtig, Selbstgemaltes! Und dann sind da noch allerlei Leckereien, die stolz präsentiert werden, selbst gemacht! Allerdings empfiehlt sich da eher das Anschauen, weil so richtig gut schmeckt nicht mal im Kinderdorf die lehmige Erde.
Lange ist die Liste der Probleme und Schwierigkeiten, die es in 2017 zu überwinden galt. Statt Unterstützung gab es von den Behörden wieder einmal Lügen und Intrigen, fast scheint es als wären wir den staatlichen „Kinderschützern“ ein Dorn im Auge, weil unsere Kinder glücklich sind. Letztlich aber zählen für uns nur die Kinder und dass sie dank Little Smile wieder lächeln dürfen, beschützt und geachtet wachsen können, etwas was in den staatlichen Einrichtungen, in denen Kinder oft nur eingesperrt und irgendwie versorgt werden, nicht wichtig scheint.
Zum Ende des Jahres 2017 schlägt dann für Anju die Stunde des Abschieds. Das O-Level hat sie, dank Little Smile, sicher bestanden, die Situation in der Familie im fernen Colombo hat sich etwas verbessert und so feiern Mutter und Tochter noch mit der Little Smile Familie Weihnachten bevor es einen tränenreichen Abschied gibt. Mach’s gut, Anju und vergiss nie, was du hier erlebt und gelernt hast.